Eine herrliche Fahrt über Schwedt und die Uckermark

Noch ein kleiner Nachtrag aus dem Sommer:

Auf dem Weg zu einem Ballonwochenende in Polen hielt ich in meiner Geburtsstadt Schwedt/Oder. Die Wetteraussichten war brilliant und es gelang mir schon während der Autofahrt, einen Verfolger und genug Freiwillige für den Korb zu finden.

Wir starteten mitten in der Stadt und konnten vom Kulturhaus beginnend die Stadt überfahren. Der Wind kam aus dem Norden und wechselte in der Höhe auf Süd. Beste Bedingungen, um nach der Fahrt über der Stadt ein selbstgewähltes Ziel anzugehen. Nachdem wir also in der Höhe noch die tolle Aussicht über die Polder, die Stadt und in der Ferne die Insel Usedom genossen haben, landeten wir geplant in Berkholz und konnten die Taufe dort auf dem Hof meines Bruders vollziehen.

Das Aufsehen, welche wir erregten, führten auch zu einem Beitrag in der lokalen Zeitung. (Siehe Bild)IMG_3329.JPGIMG_3331.JPGIMG_3357.JPGIMG_3426.JPG Ballon überm Kietz.jpeg

Ein „neuer“ Ballon

Ein Ballon ist ein Luftfahrtgerät. Dementsprechend streng wird er jedes Jahr aufs Neue auf Herz und Nieren geprüft. Die Hülle wird dazu auf ihre Reißfestigkeit geprüft. Welch ein Schreck als es bei der  diesjährigen Prüfung ungewohnte Geräusche auftraten. Ritsch ! Ratsch ! Ohje ! Es wurde bald klar, dass ein Austausch der roten Felder (denn nur die roten Felder waren am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt) nicht wirtschaftlich ist.

Bald wurde eine gebrauchte Hülle gefunden und beim Luftfahrttechnischen Betrieb geprüft. Nun musste nur noch das Luftfahrtbundesamt das Ganze genehmigen. Das wurde noch etwas nervenaufreibend, aber gelang noch rechtzeitig zum Besuch des Ballontreffens in Szczecinek.

Wir wünschen dem D-OJOH viele schöne Fahrten !

Haltet die Augen auf nach einem silbernen Ballon !

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Bad Kohlgrub – immer wieder schön

Auch wenn dieser Beitrag etwas verspätet ist, möchte ich euch unsere Eindrücke der 7. Winter-Ballontage Bad Kohlgrub nicht vorenthalten.

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Wie immer war die Veranstaltung von der Familie Kuhn und ihren vielen Helfern gut vorbereitet und von ausreichend Programm eingerahmt. Auch dieses Jahr hieß uns das Kloster Ettal willkommen und die zahlreichen Teams ließen den Innenhof im wahrsten Sinne des Wortes mit ihren Ballonen glühen. Wir meinten auch den Schnee zum Schmelzen zu bringen..

 

Oftmals war das Wetter launisch und sch181230 Kloster Ettal 2 (1).jpegwer vorhersehbar. In einem morgendlichen Briefing wurde dann gewitzelt, in Italien wäre das Wetter ja schön. Was bringt uns Ballonwetter in Italien? Sehr viel, wenn man mit dem Ballon dorthin fahren kann!

In kürzester Zeit wurde die Ausrüstung geprüft und um wesentliche Dinge wie Sauerstoffflaschen und -masken erweitert. Zusätzliche Gasflaschen wurden organisiert, Berechnungen angestellt und immer wieder das Wetter abgerufen.

190101 Alpenüberquerung Piloten (6).JPGInzwischen war es schon abends am letzten Tag des Jahres. Wir feierten mit einem befreundeten Ballonteam in das neue Jahr und beeilten uns dann schleunigst eine Mütze Schlaf zu bekommen. Die hatten auch alle nötig, denn während die Piloten in der Luft alle Hände voll zu tun hatten, waren die Verfolger am Boden deutlich langsamer unterwegs.

Eindrucksvolle Bilder und eine echte italienische Pizza dienten als Belohnung für die Mühen, bevor es auch schon wieder zurück durch die Alpen ging.   

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Später öffnete der Winter dann noch ein drittes und let190103 Ballonfahren (1).JPGztes Wetterfenster für uns und ich konnte eine entspannte Winterfahrt zu Füßen der Berge machen. Dank dreier Leichtgewichte im Korb brauchte ich mir über unseren Gasverbrauch keine Gedanken machen und wir hatten ca. 3 Stunden Zeit uns die Gegend aus der Luft anzusehen.

Club Montgolfiade in Gremmendorf

Ballonstartplatz

Ballonstartplatz

Dieses Wochenende sind wir wieder der Einladung unserer Ballonfreunde aus Gremmendorf (Münster) gefolgt und haben an ihrer Club Montgolfiere teilgenommen.

Nach gemütlichem Ankommen am Freitagabend bescherte uns der Samstag einen ruhigen Morgen. So starteten wird dann auch mit ca. 7 Ballonen in den Tag. Es wurde eine gemütliche Fahrt über Wald und Wiesen, während uns die Überquerung der Ems einen wunderbaren Ausblick bei leichtem Bodennebel bot.

Emsüberquerung

Überquerung der Ems

Da sich auch nach der üblichen Fahrtzeit noch keine Thermik zeigen wollte, beschlossen wir noch einige Landemöglichkeiten passieren zu lassen und die Fahrt noch ein wenig zu genießen. Als wir dann doch landen wollten, schlief der Wind über dem Maisfeld fast ein, so dass wir den Ballon letztendlich einmal außen um den Mais herum umgetragen und auf einer schönen grünen Wiese zusammengelegt haben.

Diese Fahrt war die wahrscheinlich längste Ballonfahrt, die wir bisher im Sommer und ohne eine zusätzliche Gasflasche gemacht haben: 2:20 h.

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Die Vorbereitungen für den Samstagabend waren begleitet von Diskussionen und Fachsimpeleien, welcher Wettervorhersage zu trauen und wie diese zu Interpretieren wären. Schlussendlich entschieden sich nur zwei Ballone zur Fahrt, während die anderen die Bar und die beiden Spanferkel über dem Feuer bewachten.

Über dem Münsterland

Über dem Münsterland

Wir hatten bereits in den vergangenen Sommerwochen die Erfahrung gemacht, dass die Wettervorhersagen abends eine zügige Fahrt versprachen, während sich der Wind samt Böen zuverlässig mit Sonnenuntergang legte. So war es auch diesmal: Nach einer vergleichsweise kurzen Fahrt landeten wir stehend auf einem Stoppelfeld.

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Lieben Dank an die Gremmendorfer für die Einladung und danke an alle Helfer, Verfolger und Mitfahrer. Bis zum nächsten Treffen! 😉

Ballontreffen in Szczecinek 2018

Vergangenes Wochenende waren wir wieder einmal zu Besuch im schönen Szczecinek (Polen) zum Ballontreffen mit ca. 50 anderen Ballonen.
Das Wochenende hat mit einer Willkommensfahrt mit einigen anderen verfrühten Ankömmlingen in Luborazda begonnen. Von dort ging es dann am Freitag zur offiziellen Veranstaltung nach Szczecinek, wo auch das Anklamer Team hinzukam.

Nach einer schnellen Fahrt am Freitagabend mit nur einigen Ballonen, sind am Samstagabend alle Ballone gemeinsam aufgestiegen. Danach gab es wieder ein bezauberndes Ballonglühen mit einem echten Dirigenten und passender Musik.

Der Sonntagmorgen bescherte uns eine ruhige Fahrt mit verschiedenen Windrichtungen, so dass wir uns nach dem Absetzen des Fallschirmspringers noch an die Verfolgung des Fuchses machen konnten. Zahlreiche Auf und Ab‘s mit viel Geduld brachten uns dann bis auf 30m an das Zielkreuz heran und wir entschieden uns zur Landung. Leider entpuppte sich die grüne Wiese als Acker mit riesigen Disteln, die auch durch Jeans noch pieken!

Zum Abschluss des Ballontreffens gab es am Sonntagabend wieder einen Fly-in bei dem eine Flagge von einer Schwimminsel auf dem See gepflückt werden sollte. Leider sind die meisten Teams großzügig am See vorbei über die Stadt gesegelt. Nach einer kurzen Fahrt entschieden wir uns zur Landung auf einem Stoppelfeld und freuen uns schon jetzt auf die nächste Veranstaltung im kommenden Jahr.

Fallschirmspringer (Szczecinek)

Bei unserem letzten Ballontreffen in Szczecinek in Polen haben wir wieder unseren alten Freund Kent im Ballon mitgenommen. Wie eigentlich immer bevorzugt er soweit oben wie möglich auszusteigen, statt mit uns zu landen. Hier ein kleiner Eindruck davon..
IMG_6019.JPG  IMG_6022.JPG IMG_6023.JPG2018 kent Szczecinek 1.jpg
P.S.: Er ist auch ohne uns bisher immer sicher gelandet 😉

 

Nachlese 2017

Das Ballonjahr haben wir schon vor ein paar Wochen beendet. Dieses Jahr haben wir wunderschöne Fahrten in Schleswig-Holstein gemacht. Außerdem waren wir auf Meetings in Tunesien, Frankreich und wie jedes Jahr in Polen.

Nach dem wir im Januar nur eine Check-Fahrt gemacht haben, fing das Ballonjahr im Februar in Tunesien an. Zuerst mussten aber viele Kilometer bis Marseilles zurückgelegt werden. Ein paar Tage Ski bei Grenoble läuteten den Urlaub ein und bildeten den krassen Unterschied zur Wüste, die wir uns ein paar Tage von unten und oben ansahen. Herrliche Fahrten über Wüste und Oasen, viel Sonne und unglaublich nette Menschen ließen den Urlaub auf hohem Niveau weitergehen. Wir zogen dann im Tross um in den Norden von Tunesien nach Hammamet. Auch dort noch ein paar wunderschöne Fahrten.

Im Juli waren wie dann, wie jedes Jahr in Szczecinek. Wie jedes Jahr war es hervorragend organisiert. Wir konnten vier Fahrten machen.

Im August ging es dann nach Chambley.  Das Wetter war zu Beginn nicht besonders gut. aber in der zweiten Wochenhälfte wurde es zunehmend besser. Besonders schön waren die beiden letzten Fahrten. Johanna fuhr über zwei Stunden weit an Metz vorbei und ich machte am letzten Abend auch eine herrliche Fahrt mit Außenstart, die uns über den Platz führte und dann noch der „Meute“, die auf dem Platz gestartet war, hinterher.

Sehr schön war auch ein Fahrt von Husum bis kurz vor Flensburg, eine Fahrt vom Flugplatz Neustadt-Glewe mit Fallschirmspringern im Austausch gegen zwei Sprünge aus dem Flugzeug, eine ebenfalls in Erinnerung bleibende Fahrt über die Kieler Förde ……

Nun liegt die Hülle im Haus, der Korb ist mit Hochdruck gereinigt und mit Lasur gestrichen im ebenfalls gereinigten Anhänger. Wir warten auf den Frühling.

 

 

 

 

Ballonausbildung: Praxis bestanden!

Dieses Jahr bin ich, als jüngster Ballonnachwuchs, alleine mit Auto und Ballon nach Chambley, Frankreich gefahren (und habe mich dort mit anderen getroffen). Alle zwei Jahre findet dort eines der größten Ballontreffen überhaupt auf einem riesigen Sportflugplatz statt! Idealerweise ist in Frankreich oft schönstes Wetter und viele Möglichkeiten um Ballon zu fahren. So waren dank der vorhergegangenen Hitze inzwischen auch schon sämtliche Getreidefelder abgeernet.. Landemöglichkeiten bis zum Horizont.
Eine wunderschöne (Crew) und etwas stressige (Pilot) Ballonfahrt belohnt die weite Anreise: Ein neuer Weltrekord mit 433 Ballonen in einer Reihe wurde aufgestellt. Wobei die Vorbesitzer unseres Luxemburger Ballons wieder einmal zufällig direkt neben uns standen (mit neuer Luxemburgwerbung)!

Nach dieser Fahrt möchten uns dann leider auch der Wind und die Regenwolken begrüßen. Wir nutzen die freien Tage mit Ausflügen nach Metz, Verdun etc.
Irgendwann beruhigt sich das Wetter dann auch wieder und gegen Ende der Woche können wir mehrere Tage hintereinander Ballonfahren, teils morgens und abends. Inzwischen fehlen mir nur noch zwei Aufgaben, die ich vor der Prüfung „to standard“ erledigen muss: bei 8kn aufrüsten; und bei 8kn landen. Eine Herausforderung bei Traumwetter, doch der Wind kommt wie versprochen zurück und schon stehen wir mit einigen, wenigen anderen auf dem Startplatz. Viele ersparen sich die Fahrt, wissen doch alle, dass es den nächsten Morgen wieder schöner wird. Zusammenfassend wird es eine zügige, aber gut kontrollierte Fahrt mit Landung auf einem riesigen Stoppelfeld 🙂
Mit erledigten Aufgaben durfte ich nun meinen „recommendation flight“ machen, die Zulassung zur Prüfung sozusagen. Wie erwartet ist es morgens ruhig. Alles läuft perfekt, das Team arbeitet zusammen, der Ballon schwebt davon und wir bekommen einen wunderbaren Blick über die Landschaft, verziert mit Ballonen und einer sanften Nebelschicht.
Abends ist dann die Prüfung. Wir hatten schon ‚zu viel des Guten‘, also wehen die Winde etwas schneller und in die einzige Richtung mit viel Wald, den Starkstromleitungen, ein Fluss, bebautes Gebiet und das Ende der Karte folgt dann auch noch.. Ich würde mich als etwas unentspannt beschreiben. Der Start ist okay und nach kurzer Zeit kommt ein Tal, hier darf ich im Windschutz zwar kurz eine Zwischenlandung machen, aber die Prüfungszeit ist noch nicht um. Also geht es wieder weiter, der Wind pustet oben drüber immer noch sehr schnell und herannahende Ballone sind auch gleich wieder vorüber gezogen. Ich reihe mich zwischen ihnen ein und weiter geht die Suche nach einem neuen Landeplatz. Es kommt noch ein Tal, diesmal in Fahrtrichtung; da wollen wir rein. Ein Ballon ist stehend gelandet.. das sieht doch ganz gut aus. Habe dann allerdings feststellen müssen, dass der andere im Windschatten ein wenig zu meiner Seite gelandet ist. Stattdessen behalte ich den Wind, der das Tal entlang weht und lande mit ein paar mehr Knoten auf einem sehr kurz werdenen Feld. Geschafft. Die Hülle ist leer und wir können aus dem Korb krabbeln. 🙂

Korb mit 8 FlaschenNach dieser Fahrt kann ja erstmal nicht mehr viel passieren! Der nächste und letzte Morgen in Chambley ist wieder ruhig in Bodennähe und etwas mehr Wind weiter oben. Ich belade den Korb mit zusätzlichen Flaschen: Der letzte Teil der praktischen Prüfungen ist eine Alleinfahrt; bloß bin ich alleine etwas zu leicht.
Ich muss nur eine halbe Stunde fahren und dann wieder sicher landen. Also bleibe ich kurz über den Wipfeln und gucke mir alles aus der Nähe an. Ein befreundeter Pilot verfolgt mich mit seinem Ballon.. genug Zeit um gegenseitig Fotos zu machen.
VerfolgerballonAlleinfahrt. Ich und 8 Flaschen.

Herzlichen Dank an alle die mir geholfen haben dies zustande zu bringen!
Bis zum nächsten Ballonabenteuer,
Johanna

Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (4)

Ballonwetter und Polarlichter

Wir haben heute bestes Ballonwetter! Das warten hat sich gelohnt: Die Sonne scheint, der Wind ist nicht zu stark, aber doch stark genug, um eine schöne lange Ballonfahrt zu machen.

Das Navigieren im Korb wird allerdings eine Herausforderung, denn das Ziel ist einer der beiden Seen um Gällivare, alles andere würde eine stundenlange Bergung herausfordern. Und so werden konstant Windrichtung und Windgeschwindigkeit gemessen.
Es ist ein ständiges Suchen nach der passenden Höhe mit dem passenden Wind. Die sehr schnelle Landung wird zuerst durch hohe Tannen, die sich uns in den Weg zu stellen wagen 🙂 , ein wenig abgebremst und später durch den hohen Schnee auf dem See.

Bis uns das Rescue-Team findet, gibt es wieder Picknick und Tee am Ballonkorb. Und dann geht es bei rasanter Fahrt mit dem Snowmobil und feuerndem Ballonbrenner zurück. Das Leben kann so schön sein!

Am Abend finden wir einen schönen Platz hoch über der Stadt, sitzen im Schnee, trinken Glühwein und warten auf die Polarlichter. Pavva kündigt sie für 22h an, ein anderer für Mitternacht. Wir warten, und warten, und warten… Und dann, wie angekündigt gegen 22h: Erst ist ein ganz kleines grünes Licht am Himmel zu sehen (und wir sind nicht sicher, ob es eher der Wunsch, etwas zu sehen ist), aber dann breiten sich die Polarlichter gewaltig und schnell über den ganzen Himmel aus! Sie tanzen und bewegen sich, verändern ihre Farbe und lassen uns einfach staunend mit offenem Mund dastehen. Johanna versucht, aus der Kamera das Letzte herauszuholen 🙂 Dieses Spektakel dauert vielleicht eine viertel Stunde und wiederholt sich gegen Mitternacht noch einmal mit ganzer Stärke. Die Bilder lassen sich kaum einfangen, verzaubern uns dafür umso mehr.

Ja, und hier endet der Bericht über ein ganz und gar ungewöhnliches Ballontreffen, hoch oben über dem Nordpolarkreis. Ton, der Organisator, hatte hier alle Hände voll zu tun und wurde fantastisch unterstützt von Elisabeth und Bettina von Sole Event, die es uns ermöglicht haben, mit den Menschen hier oben, dem Land und den vielen, vielen Besonderheiten bekannt zu werden. Dafür einfach und ehrlichen Herzens: DANKE, DANKE, DANKE!

Wir haben am Ende 3985 km auf unserem Tacho, das wunderbare All-Rad-Auto hat sich bewährt (besonders als WIR den doppelachsigen Anhänger der Holländer den Berg herauf gezogen haben :-D), und wir haben ein anderes, aber wunderbares Schweden kennengelernt und fantastische Menschen getroffen!

Na dann – Hej då!

Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (3)

Rentier und Elch, Snowmobil und Blaubeerpunsch, Jantelage und Joiken

Das Wetter meint es nicht immer gut mit uns: Es ist erst zu windig, dann wird die Sicht schlechter. Wir warten auf „richtiges“ Ballonwetter. Aber das macht nichts, denn wir sind neugierig, die Gegend und die Menschen hier oben, gefühlt am Ende der Welt, kennenzulernen.

Wir machen uns auf zu einer Rentierfarm und lernen Pavva und seinen Vater kennen. Ein Rentierjahr hat 8 Jahreszeiten, dem sich auch die Sami anpassen und mit der Herde weiterziehen. Da die letzen Winter allerdings sehr warm waren, fängt der Schnee stellenweise an zu schmelzen und wieder zu gefrieren und letztlich bildet sich unter dem Schnee eine Eisschicht, unter der die Rentiere nichts mehr zu essen finden können. Und so bleibt die Herde von Pavva in diesem Winter auf einer riesigen Farm und wird gefüttert.

Pavva treffen wir später noch einmal wieder. (Er ist übrigens ein echter Same. Die frühere Bezeichnung Lappe benutzt man heute nicht mehr, da sie als unhöflich gilt.)
Wir erfahren viel über das Leben der Ureinwohner hier oben, darüber, dass die Sami inzwischen von den Schweden anerkannt, aber immer noch nicht in ihrer Lebensweise vollständig respektiert werden; darüber, wie sich das Fischen und der Zug der Rentiere verändern, wenn beispielsweise Vattenfall die großen Flüsse aufstaut und der schwedische Holzeinschlag teils einem Kahlschlag ganzer Regionen gleicht. Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe bedeuten anscheinend nicht gleichzeitig Einklang von Natur und Kultur. Wir können die Veränderungen mit eigenen Augen und ohne Mühe sehen. 😦

In einem kleinen „lebenden Museum“ kosten wir Elchfleisch und trinken Blaubeerpunsch. Unglaublich lecker :-D. Pavva joikt  für uns.
Joiken ist ein Gesang der Sami, der irgendwo zwischen Jodeln und indianischen Gesängen angesiedelt ist. Die jungen Sami lernen diese uralte Tradition wieder, während die alten Sami sich teils immer noch schämen zu joiken, war es doch viele Jahre verboten, die eigenen Lieder zu singen, Traditionen und Bräuche zu leben. Die Christianisierung der Sami durch den Schwedenkönig ist in grauer Vorzeit ist immer wieder brutal durchgezogen worden, bis hin zu Tötungen von Sami, die einfach nur ihre Schamanentrommeln benutzt haben.

Überhaupt bekommt mein wunderbares Schwedenbild Stück für Stück ein paar Risse. Nicht nur, dass mit der Umwelt – zumindest im hohen Norden des Landes – wenig nachhaltig umgegangen wird (irgendwann ist für die IKEA-Möbel nicht mehr viel Holz da und der Schweden-Lachs wird Geschichte sein), sondern auch der viel gelobte Konsens im Zusammenleben der Menschen stellt sich bei näherer Betrachtung eher als eine Folge der Jantelage heraus. Wir erfahren dies von Bettina, einer Deutschen, die hier oberhalb des Polarkreises lebt. Jantelage ist eine Art ungeschriebenes Gesetz für die Skandinavier. Hiernach ist es u. a. wichtig, sich nicht aus der Gemeinschaft herauszuheben oder hervorzutun, sich als etwas anderes oder besseres zu fühlen u. v. a. m. Jede Art von Individualismus ist wenig willkommen. Was auf den ersten Blick vielleicht irgendwie sinnvoll erscheint, wird zu einer echten Last, wenn neue, andere Ideen die Welt der Skandinavier zu erobern suchen und wenn Konflikte auftauchen. Die Folgen sind Mittelmäßigkeit (sicher auf einem hohen Niveau) und Konfliktvermeidung. Das Neue und Andere hat es hier schwer.

Unseren deutschen Heile-Welt-Blick auf Schweden bezeichnet Bettina übrigens als „Büllerbü- Syndrom“ (nachzulesen bei Wikipedia). 😀

Aber wie dem auch sei: Wir lernen ausnahmslos hilfsbereite und gastfreundliche Schweden kennen: Schweden, die mit uns über dem offenen Feuer auf dem See Würstchen grillen; die mit uns in wahnsinniger Geschwindigkeit mit dem Snowmobil durch die Wälder jagen; die uns Laien geduldig alle Fragen über Elche und Rentiere beantworten; Schweden, die hier einfach zu Hause sind, in dieser unendlichen Weite und die Einsamkeit in der Wildnis lieben, so wie Hempa aus unserem Rescue-Team. Ca. 100 Tage im Jahr verbringt er dort, allein mit den Tieren und wahrscheinlich auf Du und Du mit den Bären, von denen er bereits sieben erlegt hat. Hempa ringt uns sofort allen Respekt ab, wie er in der Eiseskälte mit einfacher Kleidung, scheinbar nie frierend, nur ergänzt durch seine Wolfsfellmütze und die Robbenfellhandschuhe, lässig stundenlang – stets mit dem Jagdmesser am Gürtel – auf dem See und in den Wäldern unterwegs ist oder das Snowmobil auf nur einem Ski sliden lässt. Wow! Es lässt sich hier aushalten 🙂