Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (2)

Ballone, endlose Weite und Snowmobil-Bergung

Warten, warten, warten: Wann lässt der Schneefall endlich nach? Wann wird der Wind weniger? Wann können wir endlich starten?

Und am dritten Tag ist es dann endlich so weit: Die Sicht wird langsam besser, der Wind lässt nach und alle Piloten haben es eilig, in die Luft zu kommen. Wir sind hier in Gällivare ca. 100 km oberhalb des Nordpolarkreises und mit 9 Teams aus Schweden, Litauen, den Niederlanden und Deutschland am Start.

Die Starts sind kein Problem, wohl aber die Landungen – oder besser: das Bergen der Ballone.  Es gibt vielleicht drei Straßen, die man besser treffen sollte oder einen der Seen im Umkreis. Alles andere wird schwierig. Es stehen Snowmobile mit dem Rescue-Team bereit, um die Teams und Ballone zu bergen. Das kann dann schon mal dauern, bis die Ballone überhaupt gefunden werden.

Und so ist man gut beraten, sich wirklich dick anzuziehen und irgendwie Verpflegung im Korb zu haben. Alle Ballonfahrten werden als Fly In gemacht, d. h. wir fahren aus der Stadt hinaus und versuchen dann einen Startplatz zu finden, von dem aus uns der Wind wieder zurück trägt. Naja, aber die Auswahl an Straßen ist eben nicht so groß und so bleibt es doch immer eine spannende Sache. Die leichteste Aufgabe hat hier der Verfolger: Es gibt 2 feste Abholplätze (eher die „Zubringer“ der Snowmobile) und hier kann man entspannt warten, bis Team und Ballon wieder da sind 🙂

Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (1)

Schwedische Meile, Wolf, Polarfuchs und Nordlicht

 

Ballonfahren in Holstein? In Italien? In den Alpen? Das war wunderschön, aber alles schon da gewesen. Und der Pilot war auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Also warum dann nicht einfach am Nordpolarkreis Ballonfahren? Das liegt ja auch gleich „um die Ecke“… 🙂
Irgendwie ergab sich der Kontakt zum Holländer, der jedes Jahr in Gällivare, Schweden, ein Treffen für Ballon-Ver-Rückte  veranstaltet. Das war nicht zu schwierig. Schwieriger war es, eine Crew zu finden: Irgendwie konnte sich niemand aufgrund der zu erwartenden Temperaturen für dieses Abenteuer so richtig erwärmen. Auch die Länge der Reise schreckte Interessierte schnell ab. Aber am Ende besteht unser Team aus 3 Frauen (Johanna, der Nachwuchs-Pilotin, Birgit und Katharina) und dem Piloten Hans-Jörg und wir hoffen, alle eventuellen Widrigkeiten gemeinsam irgendwie (vor allem kräftemäßig) zu bewältigen…

Die lange Reise beginnt mit der Fährüberfahrt von Kiel nach Oslo, was sehr angenehm ist. Den Oslofjord erreichen wir bei ruhiger See am frühen Morgen und können ausgeruht das erste große Teilstück bis Åre, Schweden angehen. Für die knapp 800 km werden wir am Ende fast 12 Stunden brauchen. Es geht einfach nicht schneller auf den kleinen Straßen, auch wenn sie sich Europastraßen nennen :-D.

In Åre legen wir ein paar Tage „Ski-Pause“ ein, können entspannt die Pisten dort herunter sausen, beim Langlauf stundenlang den weiten Fjäll genießen und abends auf dem spiegelglatten See Schlittschuhlaufen.

Aber schließlich geht es weiter auf das zweite Teilstück der Reise: Von Åre nach Gällivare sind es wieder ca. 800 km: gleiche Zeit, gleiche Straßenverhältnisse. Es ist sehr, sehr lang. Irgendwie will die Fahrt kein Ende nehmen. Die Straßen sind abwechselnd glatt, sehr schmal, dann wieder gut zu fahren, um im nächsten Moment durch Schneewehen wieder schlechter zu befahrbar zu sei.

Unterwegs nehmen wir eine ältere Dame per Anhalter mit. Sie war in einem kleinen Ort beim Arzt, muss nun aber dringend nach Hause, da die Skiwettbewerbe live im Fernsehen übertragen werden. Und da der Bus erst abends wieder fährt, nehmen wir sie mit. „Wie weit?“, fragen wir sie. „Ach, nur 2 Meilen.“ Dann grinst sie und fügt hinzu: „2 schwedische Meilen.“ Anfangs haben wir dies für einen netten Witz gehalten, bis wir herausfinden, dass 1 schwedische Meile 10 km entspricht! Wieder etwas dazu gelernt :-).

Die schier endlose Reise geht weiter. Und doch: Plötzlich quert ca. 100 m vor uns ein Wolf die Straße. Ein Wolf! Er scheint uns nicht zu bemerken, wühlt ein wenig abseits im Schnee, macht zwei, drei Sprünge und tollt sich schließlich davon. Wow! Ganz beeindruckt fahren wir weiter, um Stunden später einem Polarfuchs zu begegnen. Jetzt ist es schon dunkel und er vom Scheinwerferlicht wohl irritiert, weshalb er schnell das Weite sucht.
Puh! Was erwartet uns wohl noch? Dann wird die schwarze Nacht plötzlich hell. Was ist das? Noch sind wir 100 km vom Nordpolarkreis entfernt. Der Himmel färbt sich von rot, orange, über gelb ins Grünliche. Na, das muss dann wohl schon ein kleines Polarlicht sein, oder?

Nun sind wir in Gällivare angekommen, hoffen auf nachlassenden Schnellfall, damit morgen die Ballone starten können. Mal sehen, was hier noch alles auf uns wartet!

Bis bald!
Oder wie es auf schwedisch heißt: hej då!