Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (4)

Ballonwetter und Polarlichter

Wir haben heute bestes Ballonwetter! Das warten hat sich gelohnt: Die Sonne scheint, der Wind ist nicht zu stark, aber doch stark genug, um eine schöne lange Ballonfahrt zu machen.

Das Navigieren im Korb wird allerdings eine Herausforderung, denn das Ziel ist einer der beiden Seen um Gällivare, alles andere würde eine stundenlange Bergung herausfordern. Und so werden konstant Windrichtung und Windgeschwindigkeit gemessen.
Es ist ein ständiges Suchen nach der passenden Höhe mit dem passenden Wind. Die sehr schnelle Landung wird zuerst durch hohe Tannen, die sich uns in den Weg zu stellen wagen 🙂 , ein wenig abgebremst und später durch den hohen Schnee auf dem See.

Bis uns das Rescue-Team findet, gibt es wieder Picknick und Tee am Ballonkorb. Und dann geht es bei rasanter Fahrt mit dem Snowmobil und feuerndem Ballonbrenner zurück. Das Leben kann so schön sein!

Am Abend finden wir einen schönen Platz hoch über der Stadt, sitzen im Schnee, trinken Glühwein und warten auf die Polarlichter. Pavva kündigt sie für 22h an, ein anderer für Mitternacht. Wir warten, und warten, und warten… Und dann, wie angekündigt gegen 22h: Erst ist ein ganz kleines grünes Licht am Himmel zu sehen (und wir sind nicht sicher, ob es eher der Wunsch, etwas zu sehen ist), aber dann breiten sich die Polarlichter gewaltig und schnell über den ganzen Himmel aus! Sie tanzen und bewegen sich, verändern ihre Farbe und lassen uns einfach staunend mit offenem Mund dastehen. Johanna versucht, aus der Kamera das Letzte herauszuholen 🙂 Dieses Spektakel dauert vielleicht eine viertel Stunde und wiederholt sich gegen Mitternacht noch einmal mit ganzer Stärke. Die Bilder lassen sich kaum einfangen, verzaubern uns dafür umso mehr.

Ja, und hier endet der Bericht über ein ganz und gar ungewöhnliches Ballontreffen, hoch oben über dem Nordpolarkreis. Ton, der Organisator, hatte hier alle Hände voll zu tun und wurde fantastisch unterstützt von Elisabeth und Bettina von Sole Event, die es uns ermöglicht haben, mit den Menschen hier oben, dem Land und den vielen, vielen Besonderheiten bekannt zu werden. Dafür einfach und ehrlichen Herzens: DANKE, DANKE, DANKE!

Wir haben am Ende 3985 km auf unserem Tacho, das wunderbare All-Rad-Auto hat sich bewährt (besonders als WIR den doppelachsigen Anhänger der Holländer den Berg herauf gezogen haben :-D), und wir haben ein anderes, aber wunderbares Schweden kennengelernt und fantastische Menschen getroffen!

Na dann – Hej då!

Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (3)

Rentier und Elch, Snowmobil und Blaubeerpunsch, Jantelage und Joiken

Das Wetter meint es nicht immer gut mit uns: Es ist erst zu windig, dann wird die Sicht schlechter. Wir warten auf „richtiges“ Ballonwetter. Aber das macht nichts, denn wir sind neugierig, die Gegend und die Menschen hier oben, gefühlt am Ende der Welt, kennenzulernen.

Wir machen uns auf zu einer Rentierfarm und lernen Pavva und seinen Vater kennen. Ein Rentierjahr hat 8 Jahreszeiten, dem sich auch die Sami anpassen und mit der Herde weiterziehen. Da die letzen Winter allerdings sehr warm waren, fängt der Schnee stellenweise an zu schmelzen und wieder zu gefrieren und letztlich bildet sich unter dem Schnee eine Eisschicht, unter der die Rentiere nichts mehr zu essen finden können. Und so bleibt die Herde von Pavva in diesem Winter auf einer riesigen Farm und wird gefüttert.

Pavva treffen wir später noch einmal wieder. (Er ist übrigens ein echter Same. Die frühere Bezeichnung Lappe benutzt man heute nicht mehr, da sie als unhöflich gilt.)
Wir erfahren viel über das Leben der Ureinwohner hier oben, darüber, dass die Sami inzwischen von den Schweden anerkannt, aber immer noch nicht in ihrer Lebensweise vollständig respektiert werden; darüber, wie sich das Fischen und der Zug der Rentiere verändern, wenn beispielsweise Vattenfall die großen Flüsse aufstaut und der schwedische Holzeinschlag teils einem Kahlschlag ganzer Regionen gleicht. Erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe bedeuten anscheinend nicht gleichzeitig Einklang von Natur und Kultur. Wir können die Veränderungen mit eigenen Augen und ohne Mühe sehen. 😦

In einem kleinen „lebenden Museum“ kosten wir Elchfleisch und trinken Blaubeerpunsch. Unglaublich lecker :-D. Pavva joikt  für uns.
Joiken ist ein Gesang der Sami, der irgendwo zwischen Jodeln und indianischen Gesängen angesiedelt ist. Die jungen Sami lernen diese uralte Tradition wieder, während die alten Sami sich teils immer noch schämen zu joiken, war es doch viele Jahre verboten, die eigenen Lieder zu singen, Traditionen und Bräuche zu leben. Die Christianisierung der Sami durch den Schwedenkönig ist in grauer Vorzeit ist immer wieder brutal durchgezogen worden, bis hin zu Tötungen von Sami, die einfach nur ihre Schamanentrommeln benutzt haben.

Überhaupt bekommt mein wunderbares Schwedenbild Stück für Stück ein paar Risse. Nicht nur, dass mit der Umwelt – zumindest im hohen Norden des Landes – wenig nachhaltig umgegangen wird (irgendwann ist für die IKEA-Möbel nicht mehr viel Holz da und der Schweden-Lachs wird Geschichte sein), sondern auch der viel gelobte Konsens im Zusammenleben der Menschen stellt sich bei näherer Betrachtung eher als eine Folge der Jantelage heraus. Wir erfahren dies von Bettina, einer Deutschen, die hier oberhalb des Polarkreises lebt. Jantelage ist eine Art ungeschriebenes Gesetz für die Skandinavier. Hiernach ist es u. a. wichtig, sich nicht aus der Gemeinschaft herauszuheben oder hervorzutun, sich als etwas anderes oder besseres zu fühlen u. v. a. m. Jede Art von Individualismus ist wenig willkommen. Was auf den ersten Blick vielleicht irgendwie sinnvoll erscheint, wird zu einer echten Last, wenn neue, andere Ideen die Welt der Skandinavier zu erobern suchen und wenn Konflikte auftauchen. Die Folgen sind Mittelmäßigkeit (sicher auf einem hohen Niveau) und Konfliktvermeidung. Das Neue und Andere hat es hier schwer.

Unseren deutschen Heile-Welt-Blick auf Schweden bezeichnet Bettina übrigens als „Büllerbü- Syndrom“ (nachzulesen bei Wikipedia). 😀

Aber wie dem auch sei: Wir lernen ausnahmslos hilfsbereite und gastfreundliche Schweden kennen: Schweden, die mit uns über dem offenen Feuer auf dem See Würstchen grillen; die mit uns in wahnsinniger Geschwindigkeit mit dem Snowmobil durch die Wälder jagen; die uns Laien geduldig alle Fragen über Elche und Rentiere beantworten; Schweden, die hier einfach zu Hause sind, in dieser unendlichen Weite und die Einsamkeit in der Wildnis lieben, so wie Hempa aus unserem Rescue-Team. Ca. 100 Tage im Jahr verbringt er dort, allein mit den Tieren und wahrscheinlich auf Du und Du mit den Bären, von denen er bereits sieben erlegt hat. Hempa ringt uns sofort allen Respekt ab, wie er in der Eiseskälte mit einfacher Kleidung, scheinbar nie frierend, nur ergänzt durch seine Wolfsfellmütze und die Robbenfellhandschuhe, lässig stundenlang – stets mit dem Jagdmesser am Gürtel – auf dem See und in den Wäldern unterwegs ist oder das Snowmobil auf nur einem Ski sliden lässt. Wow! Es lässt sich hier aushalten 🙂

Mit dem Ballon zum Nordpolarkreis (2)

Ballone, endlose Weite und Snowmobil-Bergung

Warten, warten, warten: Wann lässt der Schneefall endlich nach? Wann wird der Wind weniger? Wann können wir endlich starten?

Und am dritten Tag ist es dann endlich so weit: Die Sicht wird langsam besser, der Wind lässt nach und alle Piloten haben es eilig, in die Luft zu kommen. Wir sind hier in Gällivare ca. 100 km oberhalb des Nordpolarkreises und mit 9 Teams aus Schweden, Litauen, den Niederlanden und Deutschland am Start.

Die Starts sind kein Problem, wohl aber die Landungen – oder besser: das Bergen der Ballone.  Es gibt vielleicht drei Straßen, die man besser treffen sollte oder einen der Seen im Umkreis. Alles andere wird schwierig. Es stehen Snowmobile mit dem Rescue-Team bereit, um die Teams und Ballone zu bergen. Das kann dann schon mal dauern, bis die Ballone überhaupt gefunden werden.

Und so ist man gut beraten, sich wirklich dick anzuziehen und irgendwie Verpflegung im Korb zu haben. Alle Ballonfahrten werden als Fly In gemacht, d. h. wir fahren aus der Stadt hinaus und versuchen dann einen Startplatz zu finden, von dem aus uns der Wind wieder zurück trägt. Naja, aber die Auswahl an Straßen ist eben nicht so groß und so bleibt es doch immer eine spannende Sache. Die leichteste Aufgabe hat hier der Verfolger: Es gibt 2 feste Abholplätze (eher die „Zubringer“ der Snowmobile) und hier kann man entspannt warten, bis Team und Ballon wieder da sind 🙂

Zünftiger Jahresauftakt mit Ballonfahrt vor den Alpen und Ballonglühen

Zur Neujahrsfahrt startete unser Anklamer Ballon D-OANK in den Ammerauer Alpen bei frühlingshaftem Wetter. Mit einer traumhaften Fahrt über Unterammergau und entlang der Alpen begrüßten wir das neue Jahr. Nach 1 1/2 Stunden Fahrt landeten wir am Staffelsee bei Uffing. Bei fast völliger Windstille spiegelten sich sogar die Berge im Staffelsee.

Gegen Abend dann fand das nun schon fast traditionelle Ballonglühen im Kurpark in Bad Kohlgrub statt. Im Rhythmus der Musik loderten die Brennerflammen in den nächtlichen Himmel. Bei Glühwein und Bratwurst staunten Einheimische und Gäste einmal mehr über die vielen Ballone. Es wurden Neujahrswünsche ausgetauscht und wir fühlten uns – wie all die Tage zuvor – hier sehr herzlich willkommen. Nach einer guten Woche heißt es nun auch langsam Abschied nehmen von dieser wunderschönen und gastfreundlichen Gegend. Und es bleibt die Vorfreude auf ein Wiedersehen zu den Bad Kohlgruber Winterballontagen, wenn sich dieses – gerade begonnene Jahr – dem Ende zuneigt 🙂

Ballönerischer Jahresausklang am Fuße der Alpen

Zum Jahresausklang fuhren wir nach Bad Kohlgrub in die Ammergauer Alpen. Obwohl das Wetter eigentlich zu warm für die Jahreszeit war und wir deshalb auf die flächendeckende weiße Pracht verzichten mussten, war das Wetter für uns Ballonfahrer doch ein Traum. Mehrere Fahrten direkt vor den Alpen waren uns vergönnt. Blicke auf die Zugspitze, hinein nach Österreich und die Schweiz und sogar Schloss Neuschwanstein konnten wir von oben entdecken. Die wunderschönen Veranstaltungen wurden von einem tollen Programm begleitet: Bauerntheater, Luftgewehrschießen für Gäste, Silvesterparty und vielem mehr.

Schloss Neuschwanstein        Alpen

Wir wünschen allen Ballonfreunden  ein wunderschönes neues Jahr 2014!

Ballonfahren zum Jahreswechsel

Wie kann ein Jahr schöner zu Ende gehen als mit einer Fahrt im Heißluftballon? Und deshalb machen die Nordlichter einen „Ausflug“ in den Süden, genauer nach Bad Kohlgrub, in den Ammergauer Alpen gelegen. 🙂

Vom 28. Dezember 2013 bis zum 5. Januar 2014 treffen sich 20 Heißluftballonteams zu den 2. Bad Kohlgruber Winter Ballon Tagen und freuen sich auf viele Gäste.

Vielleicht sehen wir uns dort?
Mehr Infos sind zu finden unter 2. Bad Kohlgruber Winter Ballon Tage

5 Tage Lothringen 4 Ballonfahrten 2 Weltrekorde :-)

Zum zweiten Mal fuhren wir nach Lothringen. 4 tolle Ballonfahrten wurden es. Teilweise war es sehr heiß. Zwei Weltrekorde haben wir (mit)aufgestellt: 408 Ballone starten von einem Platz und 391 Ballone stehen in einer (Doppel)reihe. Wir haben unseren D-OANK von der Werbung befreit und Rotwein, Baguette und Croissant genossen, Sonneblumenfelder bestaunt, alte Städte besichtigt und ein bißchen Historie  geatmet. Die schönste Fahrt war unsere Reise nach Metz. Als einziger Ballon wagten wir eine Reise in höherer Höhe über Metz hinweg. Wir mussten die Höhe nutzen, um die entsprechende Geschwindigkeit zu bekommen. Landung nach Sonnenuntergang stehend neben einem Sportplatz. Die Einfahrt dorthin war dann unerwartet knapp (siehe Foto), aber alles ging gut.

Itzehoe am Morgen

Ein herrlicher Sonntagmorgen. Ich kann gut steuern und fahre zwischen Kirchturm und Theater quer über die Stadt. Da unten auf der Stör werde ich morge wieder rudern 🙂